Apr

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Widerstand gegen neue Chefin der Bundesanstalt für Bergbauernfragen

Utl.: Opposition ortet ÖVP-Postenschacher und fordert Neuausschreibung – Berlakovich verteidigt Bestellung

Agrar/Forschung/Personalia

lebensmittelclusterAuf teils heftigen Widerstand in Agrarkreisen sorgte dieser Tage die Bestellung von Desiree Ehlers zur neuen Leiterin der Bundesanstalt für Bergbauernfragen. Die Opposition ortet politischen Postenschacher und fordert eine Neuausschreibung des Jobs. Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (V) verteidigt die Bestellung von Ehlers und verweist auf ein korrektes Ausschreibungsverfahren. Der bisherige Leiter der Bundesanstalt, Josef Krammer, ist seit 1. Dezember 2007 in Pension.

Bei der Ausschreibung hätten sich eine Bewerberin (Ehlers, Anm.) und ein Bewerber (der ehemalige Stellvertreter von Krammer und aktuelle interimistische Leiter, Thomas Dax) gleichermaßen als qualifiziert erwiesen. Gemäß Gleichbehandlungsgesetz seien Bewerberinnen, die gleich geeignet sind wie der bestgeeignete männliche Mitbewerber, vorrangig zu bestellen. Dies sei dem Minister auch von der Besetzungskommission empfohlen worden, bekräftigte Berlakovich heute, Donnerstag auf Anfrage der APA, und sprach sich gegen eine Neuausschreibung aus.

Die Grünen sehen durch die Bestellung von Ehlers aber den Ruf der Bundesanstalt gefährdet. Die Boku-Absolventin für Landschaftsplanung und Landschaftspflege war laut „Standard“ bisher als Beraterin für Standortmarketing und Verkehrsfragen tätig und habe wenig mit Agrarfragen zu tun gehabt. „Frau sein ist zu wenig Programm“, heißt es in einem offenen Brief an Berlakovich.

„Die designierte Leiterin hat weder einschlägige Arbeiten und Erfahrungen auf nationaler und internationaler Ebene oder gar Leitungserfahrung in diesem Bereich vorzuweisen, noch hat sie sich durch ein spezifisches Wissen zur Agrar- und Regionalpolitik bisher einen Namen gemacht“, kritisierte der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber.

Auch SPÖ-Landwirtschaftssprecher Kurt Gaßner sprach sich dafür aus, dass die Entscheidung über die Nachbesetzung nochmals überdacht wird und forderte eine Prüfung durch eine unabhängige Expertenkommission. „Die Bundesanstalt für Bergbauernfragen genießt aufgrund der fundierten Analysen und Forschungsarbeiten im Agrarbereich auf nationaler und internationaler Ebene einen exzellenten Ruf, dieser darf durch die inakzeptable neue Leitung nicht gefährdet werden“, so Gaßner in einer Aussendung.

Kritik an der Nachbesetzung der Bundesanstalt kommt auch von der FPÖ. „Eine anerkannte ehemalige Führungspersönlichkeit, wie Josef Krammer, wurde gegen eine im agrarwissenschaftlichen Bereich äußerst unerfahrene Dame ersetzt, welche die wahren Probleme der österreichischen Bergbauern wahrscheinlich nur aus Erzählungen kennt,“ so FPÖ-Landwirtschaftsprecher Harald Jannach in einer Aussendung. Das sei gemeiner Postenschacher der ÖVP.


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