Apr

29

Schermer, Universität Innsbruck: Offener Brief an BM Berlakovich

Sehr geehrter Herr Minister Berlakovich,

Ich habe von den Diskussionen um die Neubesetzung der Leitung der Bundesanstalt für Bergbauernfragen gehört und kann nicht umhin Ihnen meine Meinung dazu mitzuteilen.

Ich kenne die Bundesanstalt für Bergbauernfragen seit vielen Jahren, bereits bevor ich an der Universität Innsbruck tätig wurde, aus der Zeit, als ich in der Landwirtschaftskammer Tirol beschäftigt war. Ich hatte immer den Eindruck, dass von dort fachlich fundierte Analysen zu agrarpolitischen und agrarsoziologischen Grundsatzfragen ausgearbeitet
wurden. Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität Innsbruck hatte ich Gelegenheit an internationalen Projekten (in den EU-Rahmenprogrammen) teilzunehmen. Dabei ist mir aufgefallen, dass im
Bereich der agrarsoziologischen und agrarpolitischen Kompetenz die Bundesanstalt noch vor den relevanten Instituten an der Universität für Bodenkultur einen hervorragenden Ruf genießt.

Ich will damit nur sagen, dass die Bundesanstalt international ein Aushängeschild in der sozialwissenschaftlichen Agrarforschung Österreichs darstellt.

Ein derartiges Aushängeschild verlangt aber auch eine entsprechend qualifizierte Person an der Spitze. Ohne die Führungsqualitäten von Frau Ehlers bezweifeln zu wollen, erscheint es notwendig, dass die Leitung einer Bundesanstalt für Bergbauernfragen auch über einschlägige Kompetenzen im fachlichen Bereich verfügt. Von Frau Ehlers sind mir allerdings, im Gegensatz zu Herrn Dax, keine Publikationen zu relevanten Themen der Berggebietpolitik bzw. zu sozialwissenschaftlichen Belangen der Agrarentwicklung bekannt. Auch ist mir bisher keine Aussage von Frau Ehlers zu relevanten Themen der Berggebietsentwicklung bekannt, obwohl ich mich seit Jahren mit diesem Bereich beschäftige.

Im Zusammenhang mit den Diskussionen zur Bestellung von Frau Ehlers wurde mehrfach in Presseaussendungen darauf hingewiesen, dass damit ein Zeichen in einem männerdominierten Umfeld gesetzt werde. Ich stimme zu
hundert Prozent damit überein, dass bei gleichqualifizierten BewerberInnen den Frauen der Vorzug gegeben werden soll. Dies darf allerdings nicht dazu führen, dass von einer fachspezifischen Qualifikation zugunsten des Geschlechtes Abstand genommen wird. Es entsteht damit der Eindruck, dass die Bestellung entweder parteipolitische Motive haben könnte (ich kenne allerdings die politische Orientierung von Frau Ehlers ebenso wenig, wie etwaige fachlich relevante Publikationen), oder, dass andere nicht fachlich begründbare Beeinflussungen dahinter stehen könnten. Beide Möglichkeiten geben ein fatales Bild nach außen ab.

Ich darf Sie daher bitten, die Entscheidung zu überdenken und den Posten neu auszuschreiben oder die Qualifikation der beiden BerwerberInnen von einem unabhängigen Gremium nochmals überprüfen zu lassen.

Mit vorzüglichen Grüßen

Markus Schermer


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