Utl.: Gefahr, dass mit dieser offenbar politisch motivierten Vorgangsweise eine bisher unabhängige Forschungsinstitution politisch willfährig gemacht werden soll

pirkelhuber_eignung_zaehlte_nichtWien (OTS) – „Bei der Besetzung der Leitung der Bundesanstalt für Bergbauernfragen handelte es sich leider um kein faires Ausschreibungs- und Beurteilungsverfahren, bei dem die Eignung zählte, wie Bundesminister Berlakovich in seiner gestrigen Aussendung betonte. Bei der Entscheidung wurde ein geeigneter Mitarbeiter der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, der mehrjährige Leitungserfahrung besitzt und zahlreiche, auch im Ausland anerkannte und sehr beachtete wissenschaftliche Publikationen vorweisen kann und alle Bedingungen der Ausschreibung erfüllt, augenscheinlich übergangen. Entscheidend für die Besetzung der Funktion können daher nicht die wissenschaftlichen Qualifikationen gewesen sein“, betont der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber. Jede/r Interessierte könne die Forschungsleistungen der BewerberInnen im öffentlichen Daten- und Publikationsraum untersuchen.
Pirklhuber sieht die Gefahr, dass mit dieser offenbar politisch motivierten Vorgangsweise eine bisher unabhängige Forschungsinstitution politisch willfährig gemacht werden soll. „Es geht uns keinesfalls darum, gegen die designierte Leitung Stimmung zu machen, aber wir verlangen Objektivität und die gesamte Offenlegung der Entscheidungskriterien. Fairness heißt, dass die BewerberInnen nach ihren Kenntnissen und Fähigkeiten beurteilt werden und im vorliegenden Fall ist das Ungleichgewicht bei der wissenschaftlichen Qualifikation sehr groß“, erklärt Pirklhuber.

In einer parlamentarischen Anfrage drängen die Grünen auf die Beantwortung folgender wesentlicher Fragen: Wer war in der Besetzungskommission? Verfügt die designierte Leitung über die in der Ausschreibung aufgezählten Erfordernisse wie fachliche Eignung, agrarökonomische und agrarpolitische Kenntnisse, Management- und Leitungserfahrung? Welche wissenschaftlichen Qualifikationen werden eingebracht, welche Publikationen können nachgewiesen werden?

„Wenn jahrelange hervorragende Leistungen bei der Besetzung von Leitungsfunktionen nicht zählen, ist das auch ein verheerendes Signal an die Motivation der MitarbeiterInnen im Ressort und die übrigen Dienststellen“, so Pirklhuber.

Rückfragehinweis:
Die Grünen, Tel.: +43-1 40110-6697, presse@gruene.at
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OTS0199 2009-04-15/12:59


2 Responses to “Pirklhuber zur Besetzung der Leitung der Bundesanstalt für Bergbauernfragen: Eignung zählte leider nicht!”

  1. Karl Ortner Says:

    Sehr geehrter Herr DI Pirklhuber
    Sie haben recht, wenn Sie die Intransparenz der Besetzung von Leitungspositionen im Bundesdienst kritisieren. Die Kritik sollte sich aber nicht auf den Anlassfall beschränken. Eine wichtige Frage ist, wer in der Bestellungsfunktion sitzt und dort eine Mehrheitsentscheidung herbeiführen kann. Wenn es Personen sind, die die wissenschaftliche Qualität nicht bewerten können oder wollen, werden eben andere Kriterien angelegt. Meine Meinung dazu ist, dass eine Ausschreibung auch die Bewertungskriterien enthalten sollte sowie die Gewichte dieser Kriterien. Jedes Mitglied der Kommission sollte die Kandidaten bei jedem Kriterium reihen (der/die Erste erhält 1 Punkt, der zweite 2 Punkte usw.). Die Reihung der Bewerber ergibt sich aus der gewichteten Summe der Punkte. Die durchschnittliche Bewertung der einzelnen BewerberInnen drch die Kommission könnte offen gelegt werden. Das wäre ein transparentes Verfahren, bei dem die persönliche Beurteilung einzelner Mitglieder der Kommission für die Öffentlichkeit verborgen bleibt.

  2. josef Says:

    Lieber Karl,
    danke für deine Zivilcourage, du bist der Erste (!) aus dem BMLFUW-Bereich, der nach der massiven Drohung des Präsidialchefs seine Sprache wieder gefunden hat. Danke. Ich stimme in allen Punkten mit dir überein. Dieser Anlassfall muss zur Objektivierung und Transparenz solcher Bestellverfahren führen! Ein solches neues Verfahren sollte gleich jetzt bei der Überprüfung des, aus meiner Sicht, „offensichtlichen Irrtums“ der Begutachtungskommission angewandt werden.

    Liebe Grüße von der Koralpe.
    Josef

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