Apr

14

Josef Krammer: Ministerbrief

Josef Krammer Osterwitz,

Osterwitz 45
A-8530 Deutschlandsberg

Betr.: Nachbesetzung der Leitungsfunktion der BA fĂŒr Bergbauernfragen – Offener Brief

Herrn
Bundesminister
Dipl. Ing. Nikolaus Berlakovich
BMLFUW
Stubenring 1
A-1010 Wien

am 4.4.2009

Sehr geehrter Herr Bundesminister Dipl. Ing. Berlakovich!

krammerDa ich die Bundesanstalt fĂŒr Bergbauernfragen aufgebaut und 29 Jahre geleitet habe, kann ich nicht zur Bestellung meiner Nachfolgerin schweigen. Obwohl ich es mir strikt vorgenommen hatte, mit meinem Wechsel vom Leiter der BA fĂŒr Bergbauernfragen zum einfachen Bergbauern auf der Koralpe, mich nicht mehr in agrar- und verwaltungspolitische Belange einzumischen, muss ich mich entschieden zu Wort melden, denn „wer zu skandalösen Vorkommnissen schweigt, stimmt zu.“ Und ich bin fĂŒr eine direkte Benennung der Vorkommnisse und VerhĂ€ltnisse bekannt und so bezeichne ich die Bestellung der Leiterin einfach als Skandal.

Die designierte Leiterin verfĂŒgt, meines Wissens, ĂŒber keine der in der Ausschreibung geforderten Fertigkeiten und FĂ€higkeiten zur Leitung einer agrar- und
regionalwissenschaftlichen Bundesanstalt, d.h. sie besitzt keine Leitungserfahrung, keine spezifischen wirtschaftlichen Kenntnisse und keine ausreichende wissenschaftliche Qualifikation. Das Einzige, das sie, nach meinen Recherchen, wissenschaftlich vorzuweisen hat, ist ihre Diplomarbeit auf dem Gebiet der Stadtforschung. Sie besitzt keine Erfahrung in agrarökonomischer Forschung und wahrscheinlich kennt sie die sozialen und ökonomischen Probleme der BergbĂ€uerinnen und Bergbauern aus den ErzĂ€hlungen ihrer Großeltern.

Herr Bundesminister, begrĂŒnden Sie Ihre Entscheidung nicht damit, dass Sie einer Frau den Vorzug geben wollten, denn dies wĂ€re eine Verhöhnung der berechtigten Anliegen der Frauen in unserer Gesellschaft. Um es mit den Worten, der ehemaligen und ersten Frauenministerin in Österreich Frau Johanna Dohnal zu sagen: „Frau sein allein ist kein Programm“.

Herr Bundesminister, ich fordere Sie auf, diese Fehlentscheidung zu korrigieren, indem Sie die Leitungsfunktion fĂŒr die Bundesanstalt neu ausschreiben.
Wenn Sie an Ihrer Entscheidung festhalten, muss in der Öffentlichkeit der berechtigte Eindruck entstehen, dass Ihnen die Probleme der unter schwierigen VerhĂ€ltnissen wirtschaftenden BergbĂ€uerinnen und Bergbauern kein besonderes Anliegen sind, da Sie aus einem begĂŒnstigten landwirtschaftlichen Produktionsgebiet stammen. Weiters möchte ich darauf hinweisen, dass das Übergehen meines Stellvertreters Herrn Dipl. Ing Dax bei der Bestellung der Leitungsfunktion ein sehr demotivierendes Signal fĂŒr alle hoch qualifizierten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihres gesamten Ressorts ist.

Ich frage mich, wer hat Sie in dieser Causa beraten bzw. auf wessen Rat haben Sie gehört?
Ich weiß, dass namhafte Mitarbeiter Ihres Ressorts fĂŒr Thomas Dax als Leiter plĂ€diert haben und dies aus gutem Grund: Thomas Dax besitzt neben mehrjĂ€hriger Leitungserfahrung zahlreiche, auch im Ausland anerkannte und sehr beachtete wissenschaftliche Publikationen. Unter Anderem beruht der ausgezeichnete Ruf der BA fĂŒr Bergbauernfragen im Ausland auf der profunden TĂ€tigkeit und dem hohen Engagement von Thomas Dax. Thomas Dax bei der Bestellung zu ĂŒbergehen, kann nicht im Interesse des Ressorts und auch nicht in Ihrem ureigensten Interesse sein. In den nĂ€chsten Jahren werden fĂŒr Sie und fĂŒr das Ministerium Ă€ußerst schwierige Entscheidungen anstehen, wenn nach Überwindung der Finanz- und Weltwirtschaftskrise die unvermeidliche Budgetsanierung kommen wird, welche
dann vor allem die Landwirtschaft treffen könnte. In einer solchen Situation auf internationale Experten vom Format eines Thomas Dax zu verzichten, grenzt, aus meiner Sicht, an grobe FahrlÀssigkeit.

Herr Bundesminister, nehmen Sie meine EinwĂ€nde gegen die Bestellung der Leiterin der BA fĂŒr Bergbauernfragen ernst und schreiben Sie die Funktion neu aus, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BA fĂŒr Bergbauernfragen haben sich eine qualifizierte und profunde Leitung verdient und es liegt auch im Zukunftsinteresse Ihres Ressort und der BergbĂ€uerinnen und Bergbauern in Österreich.

Ich wĂŒnsche Ihnen ein friedvolles Osterfest und verbleibe

mit besten GrĂŒĂŸen

Josef Krammer


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