Mai

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Haid: Offener Brief an BM Berlakovich

haid_offenerbriefRoale“ im Ventertal, A- 6450 Sölden im Ötztal / 13.Mai 2009

Herrn
Bundesminister
Dipl.Ing.Nikolaus Berlakovich
BMLFUW
Stubenring 1
1010  WIEN

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

jetzt muß ich mich mit aller verfĂŒgbaren Kraft dafĂŒr einsetzen, daß die bewĂ€hrte und wichtige
BUNDEANSTALT FÜR BERGBAUERNFRAGEN
in bestbewĂ€hrter inhaltlicher wie fachlicher Ausrichtung unbedingt erhalten bleiben  muß.
Speziell fĂŒr das VerstĂ€ndnis der sensiblen Situation der Bergbauern werden ebenso sensible wie kreative, wissenschaftlich fundierte und politisch unabhĂ€ngige FachkrĂ€fte benötigt.

Ich kenne die Bundesanstalt fĂŒr Bergbauernfragen seit Beginn und verfolge aufmerksam die Entwicklung in der Bundesanstalt und weiß um die QualitĂ€t und die Notwendigkeit dieser Einrichtung. Es ist alpenweit eine Einzigartigkeit, die unbedingt erhalten werden muß.

Als Volkskundler, als Autor von SachbĂŒchern unter anderem zur Situation und den Chancen der Berglandwirtschaft, insbesondere der Bio-Landwirtschaft (siehe in den ergĂ€nzenden Anmerkungen!) und auch als aktiv TĂ€tiger in unserer 1700 Meter hoch gelegenen extremen Berglandwirtschaft kenne ich die Probleme und auch die Chancen wie kaum jemand anderer.
In mehreren EU- Projekten, die ich angeregt, inszeniert und durchgefĂŒhrt habe, war immer die umfassend-nachhaltige Entwicklung des lĂ€ndlichen und vor allem des periphĂ€ren Raumes ein Hauptanliegen. Ein fundamentales Standbein bildet neben der Kultur die „agricultura“ der Berglandwirtschaft. Diese SĂ€ule ist auch das wichtige Überlebens-Standbein des alpinen
Tourismus. Als Ötztaler weiß ich um die enge Verzahnung zwischen Berglandwirtschaft und Tourismus. Der Bundesanstalt fĂŒr Bergbauernfragen verdanke ich sehr viele Anregungen,
Entscheidungshilfen und vor allem viele erfrischend-kreativ-kritische Positionen.

Umsomehr bin ich jetzt entsetzt, bestĂŒrzt und frustriert, was Sie mit der Bundesanstalt vorhaben. Jaja, ich weiß, immer wieder die berĂŒchtigten „UmfĂ€rbungen“ ! Jaja, und ich weiß von der parteipolitischen Strategie, jetzt die Chance ergreifen zu können, die Bundesanstalt an die „Kandare“ nehmen zu können! Eine offensichtlich in sensiblen Bergbauernfragen keineswegs kompetente, aber möglicherweise  durchaus erfahrene Managerin soll jetzt als Nachfolgerin von Josef Krammer bestellt werden. Da droht der Kahlschlag!
Also sollte unbedingt eine neue Begutachtungskommission eingesetzt werden (an der ich sowieso gerne mitwirken möchte). Also sollte die vorgesehene bzw. designierte Bestellung im derzeitigen Zeitpunkt der Diskussion keinesfalls durchgefĂŒhrt werden.

Da sollten auch die intensiv Betroffenen angehört werden. Da sollte es auch in den BundeslĂ€ndern mit extremen Bergbauernzonen offene Diskussionen geben. Und da möchten wir den zustĂ€ndigen Minister in ein vom Bergbauernsterben bedrohtes Tal bitten, um an Ort und Stelle die wirkliche Situation kennen lernen zu können. Und da sollte sich die von Ihnen vorgesehene neue Managerin den GesprĂ€chen und Diskussionen stellen. Da wĂŒrde sich beispielsweise das Ventertal mit Vent anbieten. Über unseren Verein „PRO VITA ALPINA“
könnten wir das organisieren.

Ich gehe davon aus, daß Sie die vielen berechtigten EinwĂ€nde gegen Ihre Vorgangsweise sehr ernst nehmen werden. Ich hoffe auf Einsicht und auf mehr SensibilitĂ€t. Das wĂ€rs. Danke.
Herzlich grĂŒĂŸt

EinschlÀgige Publikationen von Dr.Hans HAID und ergÀnzende Anmerkungen

„Vom Neuen Leben. Alternative Wirtschafts-und Lebensformen in den Alpen“
(Haymon, Innsbruck, 1989)
„Bio- Gourmet in den Alpen. Ein kulinarisch-kultureller Wegweiser“
(Ed.Tau, Sauerbrunn, 1998)
„Neues Leben in den Alpen. Initiativen, Modelle und Projekte der Bio-Landwirtschaft“
(Böhlau, Wien-Köln-Weimar, 2005)
„Wege der Schafe. Die jahrtausende alte Hirtenkultur zwischen SĂŒdtirol und dem Ötztal“
(Tyrolia-Innsbruck und Athesia-Bozen, 2008)
„Neue Landwirtschaft in den Alpen“, als Dokumentation des Forschungsauftrages
„agriculturelle Vernetzung, Koordination und Dokumentation im Alpenraum“
als Bericht an das Bundesministerium fĂŒr Land-und Forstwirtschaft/Wien,
Dezember 1994

Prof.Dr.Hans HAID, Venterstraße 2, „Roale“, A-6450 Sölden, Tel.05266-87 296
(in A-6430 Ötztal) haid.roale@netway.at / www.cultura.at/haid


One Response to “Haid: Offener Brief an BM Berlakovich”

  1. heinz feichtinger Says:

    Vielleicht hilft folgendes Projekt Heinz Feichtinger, Schlöglgasse 6, 6020 Innsbruck T. 0681 1038 7325
    PIU Plattform der BĂŒrgerinitiativen Innsbruck und Umgebung

    Da ja die Projekte der Internet-Spionage im Sinne der jeweils ewig- Regierenden ( parteiĂŒbergreifend ) hinlĂ€nglich aufgeklĂ€rt sind wundern wir uns nicht, warum jetzt ganz schnell und unbedingt im Ruck-Zuck-Verfahren der zweite Speichersee im Kaunertal aus dem ÖVP-schwarzen Zylinder gezogen wird wie ein totgeschossener Hase. Das Foto in der TT ( Trottel Times) zeigt in der bezahlten Anzeige wirklich ein kleines fast unsichtbares Lackerl hinter einer kaum sichtbaren DammaufschĂŒttung – und auch hier hofft man auf eine UVP (UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfverfahren) herum zu kommen, so wie in Selz-Sillrain – wo man erfolgreich darum nicht herumkommt und da steht auch noch an eine RentabilitĂ€tsprĂŒfung und es gibt es Zores ohne Ende etc. etc.

    Wir freuen uns, dass die TIWAG wieder einmal bestechen konnte mit einer gut gemachten Fotomantage ( manter heißt auf französisch: lĂŒgen) und die Leser der TT (Trottel-Times – liebevoll im Tiroler Volksmund so genannt) weiterhin keine Angst haben mĂŒssen mit ihren Stromtarifen die nachhaltigen Fehler der Landesregierung – manifestiert in dem jĂ€hrlich wiederkehrendem Defizit im Tiroler Landesbudget – zahlen dĂŒrfen und – weiterhin das Recht haben mitfinanzieren zu können, was man von oben her verbockt hat- und so nun auch wieder weiterhin einen relevanten Beitrag persönlich abliefern können, so, dass auch der neue – schon wieder recht alt aussehende – Landeshauptmann GĂŒnther Platter, der nicht mehr ganz so platt ausschaut, und sich vielleicht doch noch eine Wampe verdient, anfressen kann, da ja via Strompreiserhöhung und vermehrtem Import billiger Atomströme und dem Verkauf von Spitzenstrom das Landesbudget zumindest jonglierbar erscheint, wenn es auch noch so wacklig und schwarz fĂŒr die Zukunft aussieht – aber gute KellnerInnen mĂŒssen eben auch ein bisserl SchmĂ€h und Akrobatik beherrschen – bevor die Scherben fallen wie die Schuppen von den Augen –Hauptsache es bleibt ein wenig Trinkgeld ĂŒbrig !

    Nicht umsonst aber auch wegen der TIWAG, wegen verwegener Projekte diverser frisch gelifteter Talkaiser steht an das

    Projekt Internationaler Naturpark Zentralalpen

    Neben dem Nationalpark Karwendel im Norden Tirols – neben dem lĂ€nderĂŒbergreifenden Nationalpark Hohe Tauern ( Osttirol / Salzburg ) – dem Natura 2000 Gebiet Oberes Lechtal – braucht es einen 4. Naturpark – mit dem strengen Reglement eines Nationalparks – einen, der die Grenzen der EuropĂ€ischen Union ĂŒberschreitet. Erst dann kann Tirol und die angrenzenden Regionen wieder bĂ€rig werden und bleiben .Aber das ist nur der Gedankenfunke am Anfang, denn GrĂŒnde gibt es viele – vielmehr als man sich am Anfang vorstellen kann…..

    Angedacht ist das Ganze von Osten nach Westen :

    Nehmen wir den Brenner als schon nicht mehr als Nord-SĂŒdgrenze, sondern als Hauptverkehrsschneise, nehmen wir ihn als fiktive Ostgrenze dieses Projekts an und gehen nach Westen : Obernberger See – Stubaier Alpen sĂŒdlich der intensiven Tourismusnutzung ( also nach SĂŒdtirol hinein – oberes Sellrain – oberstes Ötztal , Wildspitze, Venter Tal,Similaun, Kaunertal; Pitztal, oberhalb der bisherigen Tourismusnutzung, weit reichend in Richtung SĂŒden ins Vinschgau hinunter, den Reschenpass ĂŒberschreitend wie auch das Stilfser Joch hinein ins Engadin und dort weiter im Bogen nach Norden in Richtung Samnaun / GaltĂŒr umzingelnd. Also mitten hinein ins Engadin – nach GraubĂŒnden – also hinein in jene Gebiete aus denen ein großer Teil der Tiroler in vorchristlichen Zeiten zugewandert sind.

    Das ist ein Naturpark und ein Kulturpark, der sich sehen lassen kann. Wir hoffen, dass es genĂŒgend Leute gibt, die dieses Vorhaben unterstĂŒtzen, realisieren und das das so wild bleibt und dass dieses Gebiet bĂ€rig, luchsig und bartgeirig etc. wird.
    Wir wollen das durchsetzen gegen die atomstromgeile Politik der Konzerne, gegen die ausufernden HöhenrĂ€usche der Seilbahnindustrie, gegen die hochfliegenden HotelpalĂ€ste und Gourmettempelanlagen des Bankensektors, da ja schon genĂŒgend Unheil in den tiefer gelegenen Regionen der Alpen angerichtet wurde.

    Auf jeden Fall ist Energiesparen allemal besser als Heimatvernichtung und Wildnis die beste Naturreserve fĂŒr die Zukunft. Auch in Bern, was ja BĂ€ren heißt, wird man sich besinnen und in diesem Fall den betreffenden Kantonen die Möglichkeit geben sich mit den LĂ€ndern Tirols ( Nord- und SĂŒdtirol ) und Vorarlberg zwecks Projektentwicklung zusammenzusetzen – ĂŒber die Grenzen der EU hinweg.

    FĂŒr eine langfristige Entwicklung dieser Region ist dieser Naturpark sinnvoller als noch die letzten Höhenmeter der Alpen, also das Dach Tirols, der Ostschweiz einer kurzfristig „angedachten“ alpinen Erschließung auszuliefern – mit entsprechender Infrastruktur, die sich ja doch nicht mehr bezahlt machen kann in der rasch voranschreitenden KlimaerwĂ€rmung und den damit wachsenden Naturgefahren, die fĂŒr diese Art der Infrastrukturen eine nie mehr einzubringende Rendite , also einen Konkurs sondergleichen bewirken wird, sozusagen ein Milliardenloch erzeugt mit all den sozialen HĂ€rten, Unruhen etc. wie in der jetzigen Weltwirtschaftskrise, zwar nicht global aber regional.

    Bevor also hier im Hochgebirge ein zweites Detroit entsteht mit anschließend brach liegenden Ruinen einer touristischen Industrielandschaft – sollte vielmehr der Erlebnisraum der schon stattfindenden KlimaverĂ€nderung in den Mittelpunkt gestellt werden. So wĂ€re auch eine Massenauswanderung wie in den Westalpen als Folge einer versteckten Massenarbeitslosigkeit im zu einseitig gestalteten und daher krisenanfĂ€lligen Tourismus zu verhindern.

    Das VerhĂ€ltnis von Wildnis und Zivilisation muss neu gedacht werden, da die so genannte „Zivilisation“ sich gegenĂŒber der Wildnis bisher unzivilisiert benommen hat – eher barbarisch – möchte man behaupten. Um dieses bessere VerhĂ€ltnis zur Wildnis zu gestalten, brauchen wir den Raum dieses Naturparks – um einfach von der Wildnis zu lernen.

    ïƒŁHeinz Feichtinger

    Aus Innsbruck, der bisherigen Hauptstadt der Zerstörung der Alpen, könnte der Gedanke sich ausbreiten, dass es in den Alpen noch etwas anderes geben muss als Zerstörung. Denn allen Ernstes : Zerstörung kann doch nicht unser einziger Nachlass gewesen sein !

    Innsbruck, den 29. MĂ€rz 2009

    Am Ende wollen wir doch noch einfĂŒgen welche Texte uns hingefĂŒhrt haben, neben den Landschaften, die wir durchwandern, zeitweise besetzen können, um sie vor dem Klauen zu schĂŒtzen :

    Adolf Pichler : “ In der Wildnis…”

    „Ich danke jedoch Gott stets, dass es noch Winkel gibt, wohin sich der Tross moderner NaturbeschnĂŒffler nicht verlĂ€uft, um Langeweile loszuwerden. Lobt nur den Unsinn der Neuzeit, als ob sich die Natur von einem bisschen SentimentalitĂ€t oder blöder Neugier ausspĂ€hen ließe, als ob das Hochgebirge vor jedem, der imstande ist, eine kurze Visite zu bezahlen, die Schleier seiner verborgenen MajestĂ€t lĂŒftete. Das ist gerade wie mit der PopularitĂ€t der Naturwissenschaften : Auch da begnĂŒgen sich die meisten mit etlichen Phrasen ohne Anschauung, mit oberflĂ€chlichen Begriffen ohne Tiefe, mit dem Hokuspokus eines schimmernden Experiments, das ihnen als galanter Taschenspieler ein Professor im Salon vormacht ; die Wissenschaft bleibt ihnen ein Buch mit sieben Siegeln.“ Dazu :

    Dalai Lama :

    „Den Morgen sollte man gut gelaunt verbringen, denn sonst ist das schlecht fĂŒr das Karma. Es könnte sich sonst ergeben, dass man im nĂ€chsten Leben wiedergeboren wird als Huhn – oder als UniversitĂ€tsprofessor.“

    Wildnis Tirol :

    Wenn Tirol schon fast nicht mehr Wildnis ist, dann steht diese Region bereits am Abgrund. Alle touristischen Projekte, alle infrastrukturellen Projekte wie die der TIWAG bezĂŒglich neuer Kraftwerke, alle Projekte der Seilbahnbranche mĂŒssen hinterfragt werden.

    Wenn Tirol weiterhin „bĂ€rig“ sein soll, dann muss es bĂ€renreif werden. Das war es schon einmal. Aber von den zentral gesteuerten Medien her „gesehen“ hĂ€tte man den als ProblembĂ€ren JJ1 ja gerne in Tirol erlegt. Die Baiern waren in der Hatz etwas schneller und erfolgreicher.

    Politisch hat man das ausgekostet und sich herumgestritten wer den BÀren humaner erlegt hat oder hÀtte.

    Will Tirol weiterhin in seinem wesentlichen Inhalt ( flĂ€chenmĂ€ĂŸig ) sich als „Wildnis“ vermarkten, wird man wohl BĂ€ren ansiedeln. Dass ein BĂ€renmanagement – sprich Beobachtung und EntschĂ€digung fĂŒr „Mundraub“ ( Schafe, Kaninchen, HĂŒhner, Rehe, Hirsche, GĂ€msen, Osterhasen, Preiselbeeren ) notwendig ist, ist allgemein verstĂ€ndlich. ( In the common sense ).

    Aber abseits der Medien muss kommuniziert werden : „Tirol ist bĂ€rig !“
    Das sichert uns unsere Eigenart in der Zukunft.

    ïƒŁHeinz Feichtinger

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