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DieStandard: Streit um neue Chefin der Bergbauern

GrĂĽne: „Frau sein zu wenig Programm“ – Ă–sterreichische Bäuerinnen stehen hinter Wahl Desiree Ehlers‘ gemäß Gleichbehandlungsgesetz

diestandardWien – Auf teils heftigen Widerstand in Agrarkreisen sorgte dieser Tage die Bestellung von Desiree Ehlers zur neuen Leiterin der Bundesanstalt fĂĽr Bergbauernfragen. Die Opposition ortet politischen Postenschacher und fordert eine Neuausschreibung des Jobs. Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (V) verteidigt die Bestellung von Ehlers und verweist auf ein korrektes Ausschreibungsverfahren.

Ehlers als Frau vorrangig bestellt

Der bisherige Leiter der Bundesanstalt, Josef Krammer, ist seit 1. Dezember 2007 in Pension. Bei der Ausschreibung hätten sich eine Bewerberin (Ehlers, Anm.) und ein Bewerber (der ehemalige Stellvertreter von Krammer und aktuelle interimistische Leiter, Thomas Dax) gleichermaßen als qualifiziert erwiesen. Gemäß Gleichbehandlungsgesetz seien Bewerberinnen, die gleich geeignet sind wie der bestgeeignete männliche Mitbewerber, vorrangig zu bestellen. Dies sei dem Minister auch von der Besetzungskommission empfohlen worden, bekräftigte Berlakovich und sprach sich gegen eine Neuausschreibung aus. Die Grünen sehen durch die Bestellung von Ehlers aber den Ruf der Bundesanstalt gefährdet.

GrĂĽne: „Frau sein ist zu wenig Programm“

Die Boku-Absolventin fĂĽr Landschaftsplanung und Landschaftspflege war bisher als Beraterin fĂĽr Standortmarketing und Verkehrsfragen tätig und habe wenig mit Agrarfragen zu tun gehabt. „Frau sein ist zu wenig Programm“, heiĂźt es in einem offenen Brief an Berlakovich. „Die designierte Leiterin hat weder einschlägige Arbeiten und Erfahrungen auf nationaler und internationaler Ebene oder gar Leitungserfahrung in diesem Bereich vorzuweisen, noch hat sie sich durch ein spezifisches Wissen zur Agrar- und Regionalpolitik bisher einen Namen gemacht“, kritisierte der Landwirtschaftssprecher der GrĂĽnen, Wolfgang Pirklhuber.

SPĂ–: „Inakzeptable Leitung“

Auch SPĂ–-Landwirtschaftssprecher Kurt GaĂźner sprach sich dafĂĽr aus, dass die Entscheidung ĂĽber die Nachbesetzung nochmals ĂĽberdacht wird und forderte eine PrĂĽfung durch eine unabhängige ExpertInnenkommission. „Die Bundesanstalt fĂĽr Bergbauernfragen genieĂźt aufgrund der fundierten Analysen und Forschungsarbeiten im Agrarbereich auf nationaler und internationaler Ebene einen exzellenten Ruf, dieser darf durch die inakzeptable neue Leitung nicht gefährdet werden“, so GaĂźner in einer Aussendung.

FPĂ–: „Unerfahrene Dame“

Kritik an der Nachbesetzung der Bundesanstalt kommt auch von der FPĂ–. „Eine anerkannte ehemalige FĂĽhrungspersönlichkeit, wie Josef Krammer, wurde gegen eine im agrarwissenschaftlichen Bereich äuĂźerst unerfahrene Dame ersetzt, welche die wahren Probleme der österreichischen Bergbauern wahrscheinlich nur aus Erzählungen kennt,“ so FPĂ–-Landwirtschaftsprecher Harald Jannach in einer Aussendung. Das sei gemeiner Postenschacher der Ă–VP.

Bundesbäuerin: Agrarbereich braucht mehr Frauen in leitenden Positionen

UnterstĂĽtzung fĂĽr Ehlers kommt von der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ă–sterreichische Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer Ă–sterreich Anna Höllerer: „Agrarwirtschaftliche Belange sind heute vielfach immer noch eine Männerdomäne und daher ist es umso positiver, wenn nun mit Desiree Ehlers bei der Nachbesetzung der Leitungsfunktion der Bundesanstalt fĂĽr Bergbauernfragen eine Frau zum Zug gekommen ist.“ Ă–sterreichs größte Bäuerinnenorganisation stehe „voll hinter dieser Entscheidung des Landwirtschaftsministers und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit.“

„Untergriffige Behauptungen“

Aus ihrer Sicht sei mit der Nachbesetzung durch die Boku-Absolventin der Ruf der Bundesanstalt in keiner Weise gefährdet. „Gerade solche untergriffigen Behauptungen bei der Neubesetzung einer FĂĽhrungsposition zeigen einmal mehr, wie notwendig es ist, dass man gerade im männerdominierten Agrarressort mehr Leitungsfunktionen an Frauen vergibt. Dies deshalb, damit einmal der Tag kommt, dass sich eine erfolgreiche Bewerberin einer FĂĽhrungsfunktion, die sich bei allen Hearings durchgesetzt hat, dann nicht von vornherein mangelnde Qualifizierung und Postenschieberei unterstellen lassen muss, sondern in Ruhe mit ihren Mitarbeitern die Arbeit ohne Anfeindungen von auĂźen ĂĽberhaupt einmal beginnen kann“, hielt Höllerer fest.

Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Österreichische Bäuerinnen wurde 1972 gegründet und ist mit rund 190.000 Mitgliedern die größte Bäuerinnenorganisation unseres Landes. Im Juni 2006 hat sie sich als Verein konstituiert. Die bundesweite Koordinierung erfolgt über die Geschäftsführung ARGE Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer Österreich in Wien. (APA/red)



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