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Blick ins Land 5/2009, S.6: Urban schlägt rural

blickinsland1Keine glückliche Hand hatte Agrarminister Berlakovich offenbar bei seiner ersten wichtigen Personalentscheidung. Nach der Pensionierung des integren Josef Krammer (er leitete gut 30 Jahren lang die seit ihrer Gründung unter SP-Agrarminister Günter Haiden als „links“ geltende Bundesanstalt für Bergbauernfragen) wurde Desiree Ehlers zu dessen Nachfolgerin bestellt.

Die Beraterin für Stadt-, Regional- und Verkehrsplanung wurde Krammers langjährigem Stellvertreter Thomas Dax vorgezogen. Das trieb intern wie extern die Wogen der Entrüstung hoch.
Dax gilt als profunder Wissenschaftler mit großem agrar- und sozialpolitischem Hintergrundwissen, wovon auch Dutzende Publikationen zeugen. Ehlers gilt aufgrund von gerade mal zwei wissenschaftlichen Veröffentlichungen eher als Expertin für „Grünraumgestaltung in urbanen Räumen“, dafür aber mit besten Kontakten in die Sektion III des BMLFUW.

Sie habe „wenig Praxis im wissenschaftlichen Arbeiten, null Erfahrung in den Sozialwissenschaften des Agrarsektors und ist in der Szene weder verankert noch bekannt“, kritisiert Richard Hubmann, Diplom-Landwirt und Mitglied der §7-Beraterkommission in einem harschen offenen Brief an den Minister. Die vermutlich eher politische als fachliche Bestellung unter Verweis auf die arbeitsrechtliche Gleichbehandlung wurde auch von langjährigen hochrangigen Ministerialbeamten mit Kopfschütteln kommentiert. Die deklariert linke Bergbauernvereinigung Via Campesina übte heftige Kritik an der Entscheidung („Frau sein allein ist kein Programm“) und protestierte am Stubenring.

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